Sichtprüfung & Sichtkontrolle: Normen und Ablauf in Produktion und Instandhaltung
Themen in diesem Beitrag
In der Arbeitssicherheit und der Qualitätskontrolle spielt die Sichtprüfung eine wichtige Rolle. Die äußerliche Inaugenscheinnahme wird von erfahrenen Fachkräften zu Beginn einer Arbeitstätigkeit oder als Endkontrolle im Produktionsprozess durchgeführt. Wir erklären, wo diese Form der Überprüfung zur Anwendung kommt und wie sie ausgeführt sowie dokumentiert werden sollte.
Was ist eine Sichtprüfung?
Die Sichtprüfung (auch Sichtkontrolle oder Remote Visual Inspection) ist eine direkte, visuelle Überprüfung von Objekten, Bauteilen oder Anlagen ohne die Verwendung von Messgeräten.
Ziel ist eine frühzeitige Erkennung von Schäden, Mängeln und fehlerhaften Zuständen, um die Qualitätssicherung und die Arbeitssicherheit zu gewährleisten. Sie gilt als essenzieller Bestandteil in produzierenden Gewerben, im Bereich der Elektrogeräte und insbesondere bei sicherheitsrelevanten Bauteilen wie Schweißnähten, da sie schnelle und kostengünstige Ergebnisse liefert.
Ziele der Sichtprüfung
Die äußerliche Kontrolle kann in unterschiedlichem Kontext zur Anwendung kommen. Entsprechend sind dabei unterschiedliche Zielrichtungen relevant:
- Frühzeitige Fehlererkennung: Schaden und Mängel werden direkt nach ihrem Auftreten identifiziert, bevor sie größere Probleme verursachen.
- Qualitätssicherung: Die Sichtprüfung sichert eine konstante Produktqualität und verhindert, dass fehlerhafte Produkte ausgeliefert werden.
- Arbeitssicherheit: Die Kontrolle hilft, Unfallgefahren für Mitarbeitende zu reduzieren und Sicherheitsvorschriften einzuhalten.
Durchführung und Ablauf von Sichtkontrollen
Die optische Prüfung gliedert sich in einzelne Schritte, die eine systematische Kontrolle sicherstellen:
Hier geht es um die Auswahl geeigneter Beleuchtung. Hilfsmittel wie Taschenlampen, Lupen und Spiegel sind bereitzuhalten und auf ordnungsgemäße Funktion zu testen. Die Prüffläche sollte vor der Inaugenscheinnahme gereinigt werden.
Dabei erfolgt eine visuelle Inspektion der Oberfläche. Dazu zählt etwa die Kontrolle auf Risse, Abnutzung, Porosität, Verfärbungen oder Oberflächenfehler.
Mithilfe von standardisierten Checklisten werden alle relevanten Prüfpunkte dokumentiert. Dadurch lässt sich eine einheitliche Vorgehensweise sicherstellen.
Die Ergebnisse werden nachvollziehbar festgehalten. Dafür sollten Auffälligkeiten und Empfehlungen schriftlich und Schäden ggf. fotografisch dokumentiert werden. So lassen sich auch Vergleiche zu vorherigen Prüfprozessen ziehen.
Bei Unsicherheiten oder Auffälligkeiten können weitere Prüfverfahren, etwa mit technischen Hilfsmitteln oder Messgeräten, veranlasst werden. Hierfür ist beispielsweise in Ticketsystem hilfreich, um den aktuellen Status transparent zu halten.
Typische Anwendungsbereiche für visuelle Kontrollen
Sichtprüfungen finden in vielen Branchen und unterschiedlichen Anwendungsbereichen statt.
Ein sehr wichtiger Anwendungsfall ist die Sichtprüfung von Schweißnähten. Details hierzu regelt die DIN EN ISO 17636 als verbindlicher Standard. Festgestellt werden sollen so Risse, Porosität und Oberflächenfehler. Gerade bei metallischen Verbindungen hat dies eine enorme sicherheitstechnische Relevanz.
Im Bereich der Arbeitsmittel ist eine Sichtprüfung für Elektrogeräte vor der Inbetriebnahme obligatorisch. Dies betrifft äußere Beschädigungen am Gehäuse, den Zustand eventueller Stromkabel oder Akkus sowie Abnutzung oder sonstige Defekte. Dies ist unter anderem relevant, um Brandrisiken, Risiken durch Stromschlag und Verletzungen durch lose Teile zu vermeiden.
Auf dem Gebiet der Produktion und Montage geht es um die Überprüfung von Bauteilen vor der Freigabe oder Verarbeitung. Die äußerliche Kontrolle ist ein wichtiger Zwischenschritt, um die gleichbleibende Qualität sowie die Erfüllung von Kundenanforderungen und Normen sicherzustellen.
Vermehrt wird die Remote Visual Inspection durchgeführt. Mit Schwanenhals-Kameras oder elektronischen Endoskopen lassen sich schwer zugängliche Bereiche ebenfalls einer Sichtkontrolle unterziehen. Entsprechende Technik wird zunehmend erschwinglich. Zudem lassen sich zur Dokumentation in der Regel direkt Fotos anfertigen.
Wichtige Unterschiede zu anderen Prüfverfahren
Im Gegensatz zu komplexen, zerstörungsfreien Prüfverfahren (wie Ultraschall oder Röntgen), ist es für Mitarbeitende einfacher, die direkte Sichtprüfung durchführen zu können. Sie ist oft der erste Schritt im Qualitätsmanagement und kann andere Prüfverfahren sinnvoll ergänzen, indem sie Auffälligkeiten frühzeitig sichtbar macht.
Die optische Vorabkontrolle spart Kosten, die durch die Nutzung aufwändiger technischer Verfahren entstehen. Diese können entweder bei optischen Fehlern folgen oder stichprobenartig durchgeführt werden.
Normen und Vorschriften
Die Normen für Sichtprüfungen sind in zahlreichen nationalen und internationalen Vorschriften geregelt:
- DIN EN ISO 17637: Regelt die visuelle Prüfung von Schweißnähten.
- Normen für Elektrogeräte nach der DIN VDE, z. B. 0100-600 und 0701–0702: Vorschriften zur Gewährleistung von Arbeitssicherheit und Produktqualität.
- DIN EN ISO 9712: Gibt allgemeine Anforderungen an das durchführende Personal für zerstörungsfreie Prüfverfahren vor, zu denen auch die Sichtkontrolle zählt.
Normgerecht durchgeführte Sichtprüfungen sind Voraussetzung für die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben, Sicherheitsbestimmungen und für die Erfüllung von Qualitätsstandards in Produktion und Instandhaltung.
Vorteile der Sichtprüfung
Die standardmäßige Durchführung von Sichtprüfungen bringt zahlreiche Vorteile mit sich:
- Schnelle und kostengünstige Kontrolle aller relevanten Oberflächen und Bauteile.
- Reduziert Ausfallrisiken und Unfallgefahr in Unternehmen.
- Einfach integrierbar: Mit Hilfsmitteln wie Checklisten und Dokumentationsprozessen leicht in den Arbeitsalltag zu integrieren.
- Ergänzt andere Prüfprozesse: Erkennt erste Anzeichen von Schäden, die mit weiterführenden Prüfverfahren abgeklärt werden können.
Aufgrund ihrer grundsätzlich einfachen Durchführbarkeit besteht im Alltag jedoch das Risiko, dass sie aus Zeitnot vergessen oder weggelassen wird. Entsprechend sind Maßnahmen sinnvoll, die eine visuelle Prüfung nativ in Arbeitsabläufe einbetten. Die Dokumentation hilft bei der Kontrolle der korrekten Ausführung.
Dokumentation und Nachverfolgbarkeit
Die ordnungsgemäße Dokumentation der Sichtprüfung ist demzufolge ein Kernelement – sie unterstützt die Nachverfolgbarkeit von Mängeln, gibt Sicherheit und dient als Nachweis gegenüber Kunden und Behörden. In digitalen Lösungen und Wartungssoftware wie Timly kann der gesamte Prüfprozess von der Durchführung bis zur Auswertung lückenlos abgebildet und archiviert werden.
Hierfür ist beispielsweise eine digitale Geräteakte vorgesehen, in der Protokolle und Bilder abgelegt werden können. Das integrierte Ticketsystem bietet eine einfache Möglichkeit, Schäden zu melden und die notwendigen weiteren Schritte automatisiert zu initiieren. Das transparente Einbinden aller Beteiligten hilft dabei, dass keine Maßnahmen übersehen werden können.
Praxisbeispiel: Sichtprüfung in der Produktion
In produzierenden Unternehmen ist es üblich, vor der Auslieferung alle Bauteile einer Sichtkontrolle zu unterziehen. Mithilfe von standardisierten Checklisten wird jede Baugruppe systematisch geprüft. In der Qualitätskontrolle werden nur erfahrene und zuverlässige Mitarbeiter eingesetzt. Bei Auffälligkeiten erfolgt eine Prüfung mittels zerstörungsfreier Verfahren, um Risiken auszuschließen. Alle Ergebnisse werden digital dokumentiert und systematisch archiviert. Dadurch bleiben Prozesse nachvollziehbar und können bei auftretenden Problemen nachgewiesen werden.
Checkliste für die Sichtprüfung
Eine strukturierte Checkliste erleichtert die Durchführung der Sichtkontrolle. Nachfolgend listen wir die relevanten Punkte für Sie auf:
- Beleuchtung ausreichend?
- Oberfläche gereinigt?
- Hilfsmittel (Lupe, Spiegel) bereit?
- Auf Risse, Poren, Farbveränderungen kontrolliert?
- Kabel und Anschlüsse intakt?
- Ergebnisse dokumentiert?
- Abweichungen und Empfehlungen notiert?
Durch die konsequente Anwendung einer solchen Checkliste wird die Qualitätssicherung nachhaltig gestärkt.
Integration in digitale Workflows
Digitale Wartungs- und Prüfsoftware wie Timly ermöglichen eine effiziente und intuitive Umsetzung der Sichtkontrolle. Die Datenhaltung erfolgt zentral und cloudbasiert. Dadurch haben Mitarbeiter in allen erdenklichen Situationen eine einfache Zugriffsmöglichkeit über die Timly-App auf ihrem Smartphone.
Prüfergebnisse und Hinweise werden in Echtzeit gespeichert und sind jederzeit nachvollziehbar abrufbar. Dokumente lassen sich digital ausfüllen und direkt mit Fotos ergänzen. Dadurch haben beispielsweise alle berechtigten Mitarbeiter jederzeit die Möglichkeit, sich vom ordnungsgemäßen Zustand eines Arbeitsmittels zu überzeugen. Dies erhöht die Arbeitssicherheit und vereinfacht die Einhaltung gesetzlicher Nachweispflichten.
Optische Kontrolle als unverzichtbares Mittel
Die Sichtprüfung ist ein unverzichtbares Werkzeug in der Qualitätssicherung und Arbeitssicherheit. Sie ist einfach anzuwenden, schnell durchführbar und unterstützt produzierende Unternehmen dabei, Fehler frühzeitig zu erkennen, die Sicherheit zu steigern und gesetzliche Vorgaben einzuhalten. Die Einbindung von Checklisten und digitaler Dokumentation, wie bei Timly, garantiert die lückenlose Nachverfolgung und nachhaltige Verbesserung der Prüfprozesse. Regelmäßige Sichtkontrollen schützen Mitarbeitende und sichern dauerhaft die Produktionsprozesse.
FAQs: Häufige Fragen zur Sichtprüfung
Eine Sichtprüfung (auch visuelle Inspektion) ist eine Prüfmethode, bei der ein Objekt ausschließlich mit den Augen kontrolliert wird, um sichtbare Schäden, Abweichungen oder Mängel zu erkennen – ohne Messgeräte oder aufwendige Prüfverfahren.
Bei einer Sichtprüfung wird geprüft, ob etwas optisch in Ordnung ist.
Typische Dinge, auf die man achtet:
- Risse oder Brüche
- Korrosion/Rost
- Verformungen
- Verschleiß
- Lockere Teile
- Undichtigkeiten
- Fehlende Bauteile